Das Pflichtenheft der neuen Paulus-Orgel

 

Was muss sie denn nun können, unsere neue Orgel, die zurzeit ihren letzten klanglichen Schliff erhält und deren Klang im Oster-Gottesdienst erstmals aufleuchten wird?

Traditionell wird jede neue Orgel mit einem Gottesdienst ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben. In der katholischen Kirche wird dieser Gottesdienst „Orgelweihe“ genannt und das Instrument samt SpielerIn ausgiebig in Weihrauchschwaden gehüllt; in der Pauluskirche werden wir die Orgel als Instrument für den Gottesdienst erleben, wie wir es uns gewohnt sind: sie sammelt die Gemeinde mit dem Eingangsspiel, sie führt und begleitet die singende Gemeinde, sie setzt Ruhepunkte, bekräftigt, transzendiert, stellt in Frage, spinnt weiter, provoziert, akzentuiert, besänftigt in ihren Zwischenspielen, sie begleitet den Chor und schliesst den Gottesdienst ab mit dem Ausgangsspiel. Unter der Woche leistet sie ihren Dienst als tröstende, mitfühlende, weiterhelfende Begleiterin von Trauerfeiern, als mitfeiernde Freudenbotin an Hochzeiten, als geduldiges Unterrichts- und Prüfungsinstrument für Studierende und als nimmermüdes Arbeitstier der Organistin und ihrer Klasse fürs Üben. Im Festgewand begegnen wir ihr im Konzert, allein, mit Solisten oder mit Orchester, gelegentlich auch mit Chor, wo sie sich in all ihren überraschenden Facetten zeigt. Sie füllt an diesen Anlässen unseren schönen Raum mit reicher Musik, bietet unserem Quartier und weiteren BesucherInnen feierliche Stunden „vor der Haustür“ und akzentuiert damit das „Daheimsein“ in der Länggasse.

Auf alten Instrumenten, zum Beispiel im Kloster Engelberg, findet sich in grossen goldenen Lettern die Inschrift: „Soli Deo Gloria“. Ist nicht damit alles über die Bestimmung der Orgel gesagt: Gott allein die Ehre?

 

Ursula Heim