Juli 2008

 

Die Metzler Orgelbau AG in Dietikon erhielt den Auftrag zum Bau der neuen Orgel in der Pauluskirche. Andreas Metzler gibt einen Einblick in das Unternehmen.

 

Bitte beschreiben Sie Ihre Firma.

 

Wir sind ein Familienbetrieb, der von den Brüdern Andreas und Mathias Metzler in der vierten Generation geleitet wird. Unsere Kapazität liegt bei gut 80 Registern pro Jahr. [Die neue Orgel in der Pauluskirche wird 37 Register haben. Anm. H.B.] Die Belegschaft umfasst 25 Mitarbeiter, fünf davon arbeiten in unserer Tochterfirma in Ungarn. Der stilistische Schwerpunkt liegt traditionellerweise im klassisch-barocken Orgelbau, wobei wir uns immer häufiger auch der Romantik zuwenden.

 

Andreas Metzler, Orgelbauer

War es Ihr Schicksal, als Sohn, Enkel und Urenkel von Orgelbauern auch Orgelbauer zu werden? Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

 

Während der Gymnasialzeit hatte mich der Orgelbau nie wirklich interessiert, mein Bruder und ich wurden von den Eltern auch nie in den Orgelbau gedrängt. Erst als es gegen Ende der Schulzeit um eine Weichenstellung ging, war der Einstieg ins Geschäft auf einmal diskussionslos klar. Offenbar ging plötzlich die Frucht auf, welche während der gesamten Kindheit durch die vielen Kontakte mit der Orgelwelt gesät worden war.

 

Sie führen den Betrieb zusammen mit Ihrem Bruder. Wie teilen Sie sich in diese Aufgabe?

 

Mein Bruder ist verantwortlich für die Produktion: Personalwesen, Arbeitseinteilung und -vorbereitung, Materialbeschaffung, Terminplanung, etc. Selbstverständlich arbeitet er auch produktiv mit. Meine Gebiete sind die Projektierung und die Intonation.

 

Was hat Sie dazu geführt, sich um den Bau der Orgel in der Pauluskirche zu bewerben? Vom engen finanziellen Rahmen war das ja kein besonders attraktiver Auftrag.

 

Aufträge dieser Grössenordnung sind in der Schweiz sehr selten geworden, zudem liegt die stilistische Ausrichtung dieser Orgel auf der Linie unserer Weiterentwicklung. Wir hoffen, mit diesem Orgelneubau einem grösseren Publikum die erweiterte Bandbreite unseres Schaffens vorführen zu können.

 

Sie hatten ursprünglich andere Vorstellungen vom Aussehen der Orgel (Prospektgestaltung). Wie kam es zum jetzigen Entwurf – und was halten Sie davon?

 

Meine ursprünglichen Vorstellungen kamen natürlich noch von traditionelleren Mustern her, wobei mir von Anfang an klar war, dass hier eine besondere Lösung gefunden werden muss, um der spezifischen architektonischen Situation gerecht zu werden. Meine Rolle bei der Zusammenarbeit mit dem Architekten, Herrn Hofmann, bestand darin, die orgelbauerischen Erfordernisse kompromisslos durchzusetzen und ihm dennoch die grösstmögliche gestalterische Freiheit zu lassen. Vom Resultat bin ich überrascht und es gefällt mir auch je länger je besser.

 

Was möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern sonst noch sagen?

 

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir in Bern erneut eine bedeutende Orgel bauen dürfen, welche stilistisch einen weiteren grossen Schritt dokumentieren wird. Allen grossen und kleinen Spendern möchten wir von Herzen danken, denn wir sind auf ihre Grosszügigkeit angewiesen, um unseren faszinierenden Beruf überhaupt ausüben zu können.

 

                                                  Die Fragen stellte Heinrich Burckhardt

 

Weitere Infos zum Orgelprojekt: www.paulusorgel.ch

 

Neues von der Orgel, Teil 1